CBF Hessen beklagt "Demand Creation am sozialen Rand"

Frankfurt/Wiesbaden, 03.06.2008, CBF Hessen - In einem offenen Brief kritisiert die der CBF Hessen das Multimediaunternehmen SevenOne Intermedia AG, das sich für das Teletextangebot der ProSiebenSat.1 Media AG (Sat.1, ProSieben, kabel eins, NTV, 9Live) verantwortlich zeigt. Unter der Überschrift „ALG II, Pflegestufe III oder Hartz IV: Sat.1 Text betreibt Demand Creation am sozialen Rand“ rügt die Landesarbeitsgemeinschaft so genannte „Premium Service“-Angebote, die Menschen mit Handicaps zu überteuerten Faxabrufen verleiten sollen. Diese „erwecken den falschen Eindruck, behinderten Menschen würde ‚etwas geschenkt‘, da sie ‚es schwer haben‘“, so das Schreiben, das vom Gesamtvorstand des CBF Hessen unterschrieben wurde. 

Mit bis zu 5,99 € pro Bestellung aus dem deutschen Festnetz schlagen die Abruffaxe zu Buche, die von der conVISUAL AG in München produziert werden. Der Leser erhält daraufhin eine sechsseitige Kurzübersicht, die nach Meinung des CBF Hessen „für Betroffene größtenteils schlicht ungenügende Informationen enthält“. Der Vorstand beanstandet die Qualität des Angebots und weist den Betreiber darauf hin, das aufgestellte Behauptungen, wie die voraussichtliche Zuständigkeit des Sozialamtes oder der Kreisverwaltung bei der Initiierung des Persönlichen Budgets unzureichend sein. Zwar weist ein kleiner Kasten auf der ersten Seite des Faxabrufes darauf hin, dass es sich nicht um eine persönliche Rechtsberatung handle, doch die Empfehlung, sich diesbezüglich an einen Rechtsanwalt zu wenden, können ebenfalls vermeidbare Kosten nach sich ziehen. 

„Als Multimediaunternehmen der ProSiebenSat.1-Gruppe sollte Ihnen - nicht zuletzt durch Ihre eigenen Beiträge - bekannt sein, unter welchen schwierigen Bedingungen sozial schwächer gestellte Menschen in Deutschland leben müssen“, appelliert der CBF Hessen. Insbesondere in der Personengruppe der Menschen mit Behinderungen befinden sich prozentual anteilig besonders viele Sozialfälle, „…die eben nicht in den Genuss von ‚mehr Rechten, Rabatten und Extras von Staat und Privat‘ kommen, wie es in der Subline des von Ihnen offensiv auf der Startseite beworbenen Faxabrufservice behauptet wird.“

Der CBF Hessen stößt sich an der Tonalität des Werbeangebots im Teletext, dass sich unter einer „boulevardesken Überschrift … an Menschen mit Handicaps richtet“ und den Sozialneid schürt. „Die von Ihnen verwendete Sprache nehmen wir mit Entsetzen und Abscheu zur Kenntnis. Wir weisen Sie ausdrücklich daraufhin, dass alle von Ihnen als ‚Extras‘ und ‚Sonderkonditionen‘ betitelten Leistungen keine „Geschenke“ sind, sondern lediglich einen Ausgleich für Nachteile darstellen, die durch die Art der Behinderung entstehen“, heißt es in dem Offenen Brief. Alle Leistungen und Vergütungen für Menschen mit Behinderungen werden von der Gemeinschaft getragen und nicht zuletzt durch die Privateinlagen der Betroffenen bezahlt. „Die finanzielle Mehrbelastung behinderter Menschen erlaubt selbst bei Beschäftigten im ersten Arbeitsmarkt oftmals nur eine Existenz knapp oberhalb des Sozialhilfesatzes“, berichtet der CBF Hessen. Der Vorstand fordert die Geschäftsführung der SevenOne Intermedia AG dazu auf, Abstand von Geschäftspraktiken zu nehmen, die auf die Not von Menschen am sozialen Rand zielt. „Der CBF Hessen zeigt Verständnis für Ihre betriebswirtschaftlichen Bemühungen, die Teletextseiten der ProSiebenSat.1 Media AG profitabel zu betreiben“. Allerdings sei Demand Creation (zu deutsch „Bedarfsweckung“) auf den Rücken sozial schwacher Nutzer des Teletextdienstes moralisch bedenklich. Die mit dem Faxservice erzielten Erlöse sollten einer gemeinnützigen Institution der Wohlfahrtspflege oder Behindertenselbsthilfe gespendet werden. Eine Liste von gemeinnützig anerkannten Organisationen könne bei der Geschäftsstelle des CBF Hessen erfragt werden.

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(Offener Brief an die Geschäftsführung der SevenOne Intermedia AG als PDF)

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